„Jetzt sind ihre schrecklichen Erinnerungen für immer Geschichte“

Letzte Zeitzeugin der „Malenki Robot“ in Elek verstorben

Sie lebte zurückgezogen bei ihrer Nichte. Geheiratet hat sie nie. Die Rede ist von Anna Lujza Reisz, der letzten Zeitzeugin in Elek, die in den Endzügen des Zweiten Weltkrieges zur Zwangsarbeit nach Krivojrog verschleppt wurde. Jetzt hat ihr Herz aufgehört zu schlagen. Jetzt sind all ihre schrecklichen Erinnerungen für immer Geschichte.

Anna Lujza Reisz war gerade einmal 16 Jahre alt, als sie im Januar 1945 zusammen mit etwa 1.000 Eleker Männer und Frauen nach Russland deportiert wurde. Dabei hatte das junge zierliche Mädchen nicht einmal das Mindestalter erreicht. Der russische Soldat wollte sie deshalb nicht mitnehmen, doch der zuständige Beamte der Eleker Gemeindeverwaltung war mit ihrer Anwesenheit zufrieden, weil damit die notwendige Gruppenstärke für den Transport erreicht werden konnte.

So begann am 11. Januar 1945 auch für Anna Lujza Reisz eine ungewisse Zukunft in den Arbeitslagern der heutigen Ukraine. Die Hoffnung auf Heimkehr zu ihren Liebsten und der feste Glaube an Gott gaben ihr während dieser entbehrungsreichen Zeit Kraft zum Überleben.

Über zweieinhalb Jahre musste sie in den Lagern in Russland Zwangsarbeit leisten, bevor sie mit ihrer Schwester nach zahlreichen Irrwegen zurück in ihre Heimatgemeinde Elek kommen konnte.

Hier erwartete sie ein weiteres schweres Schicksal, denn während der eine Teil der Familie bereits 1946 nach Deutschland vertrieben worden war, wurden ihre Eltern enteignet und diesen so die Lebensgrundlage entzogen, sodass nach dem Elend in Russland nun noch bittere Armut hinzu kam. Diese Entbehrungen begleiteten Anna Lujza Reisz ein Leben lang.

Es wird für immer die Grausamkeit der Geschichte bleiben, dass die Deportation von Ungarndeutschen zur Zwangsarbeit nach Russland über mehr als 40 Jahre in Ungarn ein Tabu-Thema war, und so sprach auch Anna Lujza Reisz nie über die schrecklichen Ereignisse, die ihr während der Malenki Robot widerfahren sind. Erst vor zwei Jahren wagte sie es, den Namen des Elekers zu nennen, der sie auf die Deportationsliste schrieb und damit für ihren Leidensweg verantwortlich wurde. Bis zuletzt steckte die Angst noch immer in ihrem Unterbewusstsein.

Jetzt starb Anna Lujza Reisz im Alter von 92 Jahren als letzte Zeitzeugin der Malenki Robot in Elek.

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