„Die Wunden sind heute noch sichtbar“

Zum nationalen Gedenktag an die Opfer von Verschleppung und Vertreibung aus Elek

Der Verein der Deutschen in Elek und die Deutsche Nationalitätenselbstverwaltung von Elek hatten zusammen am 23. Januar 2022 ein Programm zum Gedenken an die Verschleppung und Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Ungarn und insbesondere aus Elek initiiert.

Teilnehmer waren neben den Mitgliedern der Eleker Deutschen u.a. Bürgermeister Szelezsán in Begleitung der Mitglieder des Eleker Gemeinderates, Dr. Kovács, Abgeordneter für das Komitats Békés im ungarischen Parlament, Eleks Pfarrer Fazakas sowie zahlreiche Delegationen der deutschen Minderheiten aus den umliegenden Gemeinden im Komitat Békés und die Vertreter der weiteren nationalen Minderheiten in Elek.

Das Gedenkprogramm begann mit einem Gottesdienst in der römisch-katholischen Kirche von Elek. In seiner Predigt sprach Pfarrer Fazakas in bewegenden Worten über das tragische Schicksal, das allen Eleker deutschen Familien während und nach dem Zweiten Weltkrieg widerfahren war. Er berichtete dabei u.a. sehr emotional über persönliche Schicksale der Opfer der Verschleppung und der Vertreibung.

Am Ende der Messe segnete Pfarrer Fazakas die Kränze und Blumengebinde, die anschließend an der Landesgedenkstätte zur Erinnerung an die Vertreibung der Deutschen aus Ungarn niedergelegt werden sollten.

Im Anschluss an den Gottesdienst begaben sich die Teilnehmer unter Glockengeläute zum naheliegenden Vertreibungsdenkmal auf dem Csepregi-Platz.

Dort begrüßte zunächst der Vorsitzende der Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung in Elek, Herr László Wittmann, die Gäste, bevor Eleks Bürgermeister György Szelezsán zu den Anwesenden sprach. In seiner Rede bezeichnete Szelezsán die Geschehnisse der Vertreibung der Eleker Deutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges als das schrecklichste Ereignis in der Geschichte der Gemeinde, das unheilbare Wunden aufriss, die bis heute noch sichtbar seien. Bildlich bezeichnete Szelezsán die ungarndeutsche Kultur als einen Faden im Gewebe der gesamten ungarischen Kultur. „Als man diesen Faden herauszog, fiel das Gewebe auseinander“, so der Bürgermeister.

Für die Eleker Deutschen sprach Frau Klára Mester. Sie betonte, dass auf offiziellen Beschluss des Ungarischen Parlaments aus dem Jahr 2012 der 19. Januar zum nationalen Gedenktag zur Erinnerung an die Opfer von Verschleppung und Vertreibung erklärt worden war. Seit 2012 begehe man deshalb gemeinsam diesen nationalen Gedenktag in vielen Orten in ganz Ungarn.

Sie wies darauf hin, dass durch die Russlanddeportation bereits im Januar 1945 fast 1.000 junge Eleker Frauen und Männer verschleppt worden waren, bevor im April und Mai 1946 knapp weitere 5.000 Eleker Deutsche durch die Vertreibung ihre Heimat in Elek verloren. Auch sie zitierte während ihrer Ansprache aus Zeitzeugenberichten.

Am Ende der Gedenkfeier legten die Anwesenden ihre Kränze und Blumen zum Gedenken an alle diese Opfer nieder.

Umrahmt wurde das Programm durch Darbietungen von Schülerinnen und Schülern der örtlichen Dr. Mester György Grundschule.

Nach dem Gedenkprogramm lud der Verein der Eleker Deutschen ins nahe gelegene Leimen-Haus zu einem Gedankenaustausch ein.

Fotos: Deutsche Nationalitätenselbstverwaltung in Elek

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