Aus der Geschichte von Elek

– Elek –

…   zwischen Piroschka und Paprika   …

Aus der Geschichte eines fränkischen Bauerndorfes in Südostungarn

 

Lage von Elek

Wenn man von Ungarn hört, dann denkt man oft an Piroschka und Paprika, man spricht von Budapest und dem Plattensee.

Wappen der Stadt Elek
Wappen der Stadt Elek

Von Westen her kommend – über Österreich und Wien – erreicht man nach etwa drei Stunden Autofahrt die ungarische Metropole Budapest, das „Paris des Ostens“.

Entlang der Autobahn Richtung Südosten beginnt nach etwa 100 km ab Kecskemét die unendliche Weite der ungarischen Tiefebene.

Landkarte von Ungarn
Landkarte von Ungarn

Von hier aus geht es noch eine ganze Weile Richtung Osten, bevor man unmittelbar vor der ungarisch-rumänischen Landesgrenze die Kleinstadt Elek erreicht.

Elek liegt inmitten dieser großen ungarischen Tiefebene, ca. 30 km südöstlich der ungarischen Regionalhauptstadt Békéscsaba und 60 km nördlich der rumänischen Kreishauptstadt Arad, inmitten einer flachen Tiefung, die bei der Ortschaft Opálos nördlich des Flusses Maros beginnt und sich bis zu der Stadt Debrecen erstreckt.

Komitat Békés
Komitat Békés

Geographisch betrachtet liegt die Gemeinde 93,35 m über dem Meeresspiegel und befindet sich auf dem Längengrad 21°15′ sowie dem Breitengrad 46°38′.

Luftaufnahme von Elek, 2004
Luftaufnahme von Elek, 2004

Bei klarem Wetter sieht man 30 bis 40 km östlich von Elek einen Teil der Gebirgskette des Siebenbürgischen Erzgebirges mit ihren Gipfeln.

Morgenstimmung am Eleker Ortsrand
Morgenstimmung am Eleker Ortsrand

Die Nachbarortschaften von Elek sind im Norden die Stadt Gyula (12 km entfernt), im Süden die Gemeinde Lökösháza (12 km entfernt), im Westen die Gemeinde Kétegyháza (6 km entfernt) und im Osten die Gemeinde Ottlaka (rumänisch: „Graniceri“ – 4 km entfernt).

Ottlaka – oder heute offiziell „Graniceri“ – ist nach dem Ersten Weltkrieg und der Aufteilung des Königreiches Ungarns durch den Friedensvertrag von Trianon im Jahre 1920 an Rumänien gefallen.

Den Blick nach Ottlaka vom Eleker Kirchturm aus
Den Blick nach Ottlaka vom Eleker Kirchturm

1940 hatte die Gemarkung Elek eine gebietsmäßige Ausdehnung von 414 Hektar. Der Ort war von Nord nach Süd 1.960 m lang und von Ost nach West 2.400 m breit.

vorne: die Grenze - hinten: Eleks Kirche
vorne: die Grenze – hinten: Eleks Kirche

Heute verläuft die ungarisch-rumänische Staatsgrenze unmittelbar hinter dem Ortsrand von Elek.

 

Die Geschichte um den Ortsnamen Elek

Selbst die Geschichtswissenschaftler sind sich über die Herkunft des Namens nicht einig.

Schon aus der frühen Geschichte geht hervor, dass eine Pussta in der Zeit zwischen 950 und 1031 unter der Herrschaft der Könige aus dem Hause der Arpaden mit Ungarn besiedelt war. Sie soll an der heutigen Stelle von Elek gelegen haben.

alter Ziehbrunnen auf einer Pussta
alter Ziehbrunnen auf einer Pussta

Der Ortsname Elek ist wahrscheinlich auf einen seiner früheren Besitzer oder einer anderen führenden Persönlichkeit zurückzuführen. Ungarische Historiker nehmen an, dass der Name Elek auf einen madjarischen Feldherren Namens Velek zur Zeit der Landnahme zurückzuführen ist.

Eine Urkunde erwähnt zum ersten Mal im Jahre 1232 den Ortsnamen als „Elec“ und berichtet, dass sie an die Ortschaft Krako angrenzt, die später mit der Stadt Gyula verschmolz.

Hauptstraße von Elek aus Kétegyháza kommend
Hauptstraße von Elek aus Kétegyháza kommend

Ein anderes Dokument aus dem Jahre 1404 berichtet, dass hier ein königlicher Mann namens „Peter Eleki“ als neuer Grundherr in das Register als Besitzer dieser Pussta Elek eingetragen worden war.

Aus dem Jahre 1495 wird berichtet, dass Elek den Grundherren János und Ferenc Czibak gehörte. Es sollen hier 48 Leibeigene gelebt haben.

prunkvolle Bauernhäuser in Elek
prunkvolle Bauernhäuser in Elek

 

Elek vor und während der Türkenzeit

Mit der Schlacht bei Mohács im Jahre 1526 sicherte sich das osmanische Reich die Macht und Vorherrschaft im ganzen pannonischen Raum. Vor der türkischen Besetzung waren im Komitat Zaránd insgesamt 1.734 Gehöfte registriert.

altes Feldkreuz nahe der Eleker Gemarkungsgrenze
altes Feldkreuz nahe der Eleker Gemarkungsgrenze

In einem türkischen Register aus dem Jahre 1558 wurde Elek mit 22 Gehöften als ungarisches Dorf bezeichnet. Im Jahre 1561 bestand Elek aus 25 Gehöften und zahlte seine Steuern an die Festung Gyula.

Artesischer Brunnen auf dem Harruckern-Platz neben der Kirche
Artesischer Brunnen auf dem Harruckern-Platz neben der Kirche

Mit dem Fall der Festung Gyula im Jahre 1566 ist wahrscheinlich auch Elek zugrunde gegangen. Spätestens während des 15-jährigen Krieges (1591-1606) wurde Elek vollständig zerstört. Die ganze Gegend wurde verwüstet und entvölkert. Während der 150jährigen Türkenherrschaft verödete und verwilderte die gesamte Region. Nach der Befreiung vom Türkenjoch im Jahre 1696 gab es nur noch 50 Gehöfte im ganzen Komitat.

 

Die Neubesiedlung von Elek

Nach nahezu 150 Jahren der Türkenherrschaft in Ungarn war das ganze Land verödet und entvölkert. Es brauchte dringend tüchtige und fleißige Menschen, die den Mut und die Bereitschaft hatten, aus Sumpf und Wildnis ein fruchtbares Land zu schaffen.

1715 wurde das Komitat Békés wieder hergestellt. Nachdem im Jahre 1716 das Banat vom kaiserlichen Heer unter Prinz Eugen von Savoyen von den Türken befreit worden war, stand der Wiederbesiedlung weiter Teile Ungarns nichts mehr im Wege.

Jedoch erst nach dem Friedensvertrag von Passarowitz im Jahre 1718 setzte die Besiedlung der zurückeroberten Gebiete entlang der Flüsse Theiß und Maros ein.

Baron Johann Georg von Harruckern 1664 - 1742
Baron Johann Georg von Harruckern
1664 – 1742

Während der Regierungszeit von Kaiser Karl VI., Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Josef II. ragte unter den Kolonisatoren des 18. Jahrhunderts der aus Schenkenfelden in Oberösterreich stammende Johann Georg von Harruckern (1664-1742) besonders hervor.

Er hatte sich im kaiserlichen Dienst gegen die Türken als Direktor des Heeres-Proviantwesens ein hohes Ansehen erworben und für seine Verdienste große Ländereien im Osten des Ungarnlandes erhalten.

Im Jahre 1720 wurde Johann Georg von Harruckern der neue Grundherr der ganzen Gegend rund um Gyula und setzte sofort den Wiederaufbau und die Wiederbevölkerung seiner versumpften und menschenleeren Güter in Bewegung. Vor allem aus den Regionen Mainfranken und Hohenlohe warb er Siedler für die Ortschaften Gyula, Elek und Sanktmartin an.

Der Steigerwald-Dom in Gerolzhofen in Unterfranken
Der Steigerwald-Dom in Gerolzhofen in Unterfranken

Im Frühjahr 1724 erreichte die wohl größte Siedlergruppe Elek. Die Siedler kamen fast alle aus den selben Gegenden, den Bezirken Würzburg, Schweinfurt, Haßfurt, Bamberg und Gerolzhofen. Aus letzteren sollen die meisten gekommen sein.

Der so genannten ersten Ansiedlung im Jahre 1724 folgte im Jahre 1744 die zweite Ansiedlung, nachdem im Jahre 1739 etwa die Hälfte der Bevölkerung der noch kleinen Gemeinde der Pest zum Opfer gefallen war.

Noch heute erinnert ein Gedenkkreuz der Familie Strifler an die Pestepidemie von 1739 in Elek
Noch heute erinnert ein Gedenkkreuz der Familie Strifler an die Pestepidemie von 1739 in Elek

Mit dem Eintreffen dieser zweiten Siedlungsgruppe in Elek, die aus den gleichen Regionen wie bereits 1724 kam, war die Besiedlung ziemlich abgeschlossen und die Gemeinde konnte sich nun aus eigener Kraft entwickeln.

 

Elek in der Blüte des 19.  Jahrhunderts bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges

Am Ende des 18. Jahrhunderts zählte die katholischen Bevölkerung zwischen 1.400 und 1.600 Einwohnern.

Gemaltes Bild der Eleker Kirche (ca. 1820)
Gemaltes Bild der Eleker Kirche
(ca. 1820)

Am 2. Juli 1796 fand die Grundsteinlegung der neuen Kirche in Elek statt, die heute das Wahrzeichen der Stadt ist.

Der noch nicht erloschene Kolonistengeist, der zu eng gewordene Raum in Elek und nicht zuletzt das verlockende Angebot der kaiserlichen Schatzkammer erleichterte im Jahre 1840 etwa 80 Familien die Entscheidung, aus Elek wegzuziehen und ca. 14 km südwestlich von Elek die Gemeinde Almáskamarás zu gründen. Jede Familie erhielt dort ein Haus und 11,5 Hektar Ackerland. Almáskamarás ist also eine Tochtersiedlung von Elek, und somit haben alle Almáskamaráser und Eleker die gleichen Vorfahren.

Durch den ununterbrochenen wirtschaftlichen Aufschwung wurde Elek um 1854 Marktflecken und erhielt somit das Recht, Jahrmärkte abzuhalten.

Eleker Bahnstation um die Jahrhundertwende
Eleker Bahnstation um die Jahrhundertwende

Nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 wurde Elek Kreisstadt.

Eleker Bauernverein 1913
Eleker Bauernverein 1913

Die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war die Blütezeit in Elek. Zu dieser Zeit lebten hier die wohlhabendsten Bauern der ganzen Gegend (alleine in Elek gab es 28 Höchststeuerzahler), und es entstanden die glanzvollen Bürgerhäuser, die der Gemeinde durch deren Stil und Anspruch einen städtischen Charakter verliehen. 1906 wurde der Sportverein gegründet, 1911 sogar ein Tennisclub.

Damen des Eleker Tennisclubs
Damen des Eleker Tennisclubs

 

Trianon-Ungarn – Elek nach dem Ersten Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg, die Revolutionen, die rumänische Besetzung und vor allem der Vertrag von Trianon warf die Entwicklung von Elek bedeutend zurück.

Elek, einst im Herzen des Königreiches Ungarn
Elek, einst im Herzen des Königreiches Ungarn

Alt-Ungarn wurde um zwei Drittel seiner Fläche verkleinert und wurde zu einem Rumpf-Ungarn.

Die Gemeinde Elek gehörte vom 25. April 1919 bis zum 30. März 1920 ein Jahr hindurch zu Rumänien und fiel erst durch die offizielle Grenzziehung mit Unterzeichnung des Friedensvertrages von Trianon am 4. Juni 1920 zurück an Ungarn.

Grenzstein zwischen Ungarn und Rumänien
Grenzstein zwischen Ungarn und Rumänien

Seither verläuft die Staatsgrenze zwischen Ungarn und Rumänien unweit der Gemeindegrenze von Elek.

Der Zweite Weltkrieg warf seine Schatten voraus. 1941 trat Ungarn auf Seiten der Achsenmächte in den Krieg ein und war somit ein Verbündeter des Deutschen Reiches.

Das Wahrzeichen der Stadt - die Eleker Kirche, erbaut 1796
Das Wahrzeichen der Stadt – die Eleker Kirche, erbaut 1796

Im gleichen Jahr wurde eine Volkszählung durchgeführt. Elek zählte 9.327 Einwohner, davon über 60% mit Deutsch als Muttersprache.

Elek war zu dieser Zeit als fränkisches Bauerndorf in Südostungarn bekannt.

 

Schicksalsjahre in Elek – Verschleppung und Vertreibung

Der Beginn der großen Leidenszeit in Elek und Almáskamarás begann im Herbst 1944. Der verbündete Partner Rumänien hatte inzwischen die Fronten gewechselt und kämpfte auf Seiten der russischen Roten Armee.

Ehrenmal auf dem Eleker Friedhof zum Gedenken an die Opfer der beiden Weltkriege
Ehrenmal auf dem Eleker Friedhof zum Gedenken an die Opfer der beiden Weltkriege

Am 22. September 1944 flüchteten etwa 150 Eleker und 300 Almáskamaráser aus ihrer Heimat mit Pferdefuhrwerken, dem Fahrrad oder zu Fuß vor den herannahenden russischen Kampfverbänden.

Am 24. September 1944 wurde Elek, als unmittelbare Grenzortschaft zu Rumänien, von russischen und rumänischen Truppen besetzt, Almáskamarás nur wenig später am 6. Oktober 1944.

Heldengarten in Elek Erinnerung an Malenki Robot
Heldengarten in Elek
Erinnerung an Malenki Robot

Im Januar 1945 wurden aus Elek knapp 1.000, aus Almáskamarás 320 arbeitsfähige Männer und Frauen zwischen 16 und 48 Jahren zur Zwangsarbeit nach Russland deportiert.

Im April und Mai des Jahres 1946 verloren über 4.700 Eleker Deutsche und die restlichen Almáskamaráser Deutschen durch die menschenunwürdige Vertreibung nicht nur sämtliches Vermögen, sondern auch ihre geliebte Heimat. Mit 80 kg Kleidern, Hausrat und 20 kg Lebensmitteln wurden überwiegend ältere Menschen und Kinder in Viehwaggons abtransportiert und außer Landes gebracht.

Landesgedenkstätte zur Erinnerung an die Vertreibung der Deutschen aus Ungarn
Landesgedenkstätte zur Erinnerung an die Vertreibung der Deutschen aus Ungarn

Mit insgesamt sechs Transporten, die auf mehrere Orte im Kreis Ulm, Würzburg, Ludwigsburg und rund um Heidelberg verteilt wurden, kamen die Deutschen aus Elek in ein vom Krieg total zerstörtes Land, wo die Menschen selbst arm und hoffnungslos waren. Es gab kaum hoffnungsvolle Zukunftsaussichten.

Die gleiche Sprache, der Fleiß und unerschütterlicher Wille, das zerstörte Land gemeinsam wieder aufzubauen, haben Einheimische und Vertriebene – nach anfänglichem Misstrauen – einander näher gebracht.

Gedenkstein auf dem Waldfriedhof in Leimen-St. Ilgen
Gedenkstein auf dem Waldfriedhof in Leimen-St. Ilgen

 

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