„Jetzt sind ihre schrecklichen Erinnerungen für immer Geschichte“

Letzte Zeitzeugin der „Malenki Robot“ in Elek verstorben

Sie lebte zurückgezogen bei ihrer Nichte. Geheiratet hat sie nie. Die Rede ist von Anna Lujza Reisz, der letzten Zeitzeugin in Elek, die in den Endzügen des Zweiten Weltkrieges zur Zwangsarbeit nach Krivojrog verschleppt wurde. Jetzt hat ihr Herz aufgehört zu schlagen. Jetzt sind all ihre schrecklichen Erinnerungen für immer Geschichte.

Anna Lujza Reisz war gerade einmal 16 Jahre alt, als sie im Januar 1945 zusammen mit etwa 1.000 Eleker Männer und Frauen nach Russland deportiert wurde. Dabei hatte das junge zierliche Mädchen nicht einmal das Mindestalter erreicht. Der russische Soldat wollte sie deshalb nicht mitnehmen, doch der zuständige Beamte der Eleker Gemeindeverwaltung war mit ihrer Anwesenheit zufrieden, weil damit die notwendige Gruppenstärke für den Transport erreicht werden konnte.

So begann am 11. Januar 1945 auch für Anna Lujza Reisz eine ungewisse Zukunft in den Arbeitslagern der heutigen Ukraine. Die Hoffnung auf Heimkehr zu ihren Liebsten und der feste Glaube an Gott gaben ihr während dieser entbehrungsreichen Zeit Kraft zum Überleben.

Über zweieinhalb Jahre musste sie in den Lagern in Russland Zwangsarbeit leisten, bevor sie mit ihrer Schwester nach zahlreichen Irrwegen zurück in ihre Heimatgemeinde Elek kommen konnte.

Hier erwartete sie ein weiteres schweres Schicksal, denn während der eine Teil der Familie bereits 1946 nach Deutschland vertrieben worden war, wurden ihre Eltern enteignet und diesen so die Lebensgrundlage entzogen, sodass nach dem Elend in Russland nun noch bittere Armut hinzu kam. Diese Entbehrungen begleiteten Anna Lujza Reisz ein Leben lang.

Es wird für immer die Grausamkeit der Geschichte bleiben, dass die Deportation von Ungarndeutschen zur Zwangsarbeit nach Russland über mehr als 40 Jahre in Ungarn ein Tabu-Thema war, und so sprach auch Anna Lujza Reisz nie über die schrecklichen Ereignisse, die ihr während der Malenki Robot widerfahren sind. Erst vor zwei Jahren wagte sie es, den Namen des Elekers zu nennen, der sie auf die Deportationsliste schrieb und damit für ihren Leidensweg verantwortlich wurde. Bis zuletzt steckte die Angst noch immer in ihrem Unterbewusstsein.

Jetzt starb Anna Lujza Reisz im Alter von 92 Jahren als letzte Zeitzeugin der Malenki Robot in Elek.

„Alle weinten bitterlich“

Stilles Gedenken an die Vertreibung aus Elek vor 75 Jahren

Die Vertreibung der Deutschen aus Ungarn erreichte im Frühjahr des Jahres 1946 auch die fast 10.000 Einwohner zählende fränkische/ungarndeutsche Großgemeinde Elek im Südosten Ungarns. Hier fand in der Zeit vom 10. April 1946 bis zum 6. Mai 1946 die Vertreibung von rund 5.000 Eleker Deutschen statt.

Zum 50. Jahrestag der Vertreibung verfasste ein ehemaliger Eleker, Jahrgang 1934, folgenden Bericht:

„Traurig brachte mein Vater die Unterlagen nach Hause, wonach unsere Familie dem zweiten Transport zugeteilt war. Nun musste schnell gehandelt werden, denn binnen 24 Stunden nach Abholung der Waggonnummer musste alles zur Reise fertig sein. Hausrat, Vorräte und sonstiges, das nicht mitgenommen werden konnte, wurde bei Nacht zu den Großeltern, Verwandten und Freunden gebracht. Teils in der Hoffnung, es könnte nach der Einwaggonierung noch nachgeschmuggelt werden. Die Nähmaschine sowie das Fahrrad wurden zerlegt und versteckt, waren es doch für die damalige Zeit relativ wertvolle Gegenstände. Das Fahrrad wurde nur vom Vater benutzt, ein Kind durfte es kaum mit den Händen berühren, geschweige denn darauf fahren lernen. Manches wurde auch nur verpackt und einfach im Garten vergraben.

Am Abend wurde ein Fass Wein aus dem Keller geholt und mit Freunden getrunken. Darunter waren der letzte Knecht sowie Ungarn und Rumänen, die mit der Familie zu tun hatten, aber auch die zu dieser Zeit im Haus einquartierten zwei Polizisten. Schwermütig wurde Abschied genommen. Erwachsene weinten wie kleine Kinder, keiner schämte sich seiner Tränen, die Freunde hatten großes Mitleid.

Am 20. April, früh morgens, kam ein Polizist mit einem Pferdefuhrwerk ans Haus, der Fahrer war ein Rumäne aus der Nachbargemeinde Kétegyháza. Diese Rumänen wurden polizeilich verpflichtet, mit ihren Fuhrwerken nach Elek zu kommen, um die deutschen Familien zum Bahnhof zu transportieren. Während des Aufladens konnte auch dieser Rumäne sein Mitleid nicht verbergen. Als alles Bereitgestellte aufgeladen war, sagte mein Vater zu dem Polizisten: „Die Pferde und Kühe sind noch nicht getränkt“, ging zum Ziehbrunnen und schöpfte frisches Wasser in den Trog. Zuerst tränkte er die Pferde, dann die Kühe. Danach verabschiedete er sich von den Tieren. Hierbei musste besonders der Hund gespürt haben, dass eine Trennung für immer bevorstand. Voll Wehmut verließ unsere Familie für immer das vertraute Heim und wurde zum Bahnhof gebracht.“

Leider ist es uns in diesem Jahr nicht möglich, in Präsenz an die Opfer der Vertreibung zu erinnern. Und dennoch wollen und müssen wir gedenken.

Die Erlebnisgeneration ist 75 Jahre nach der Vertreibung auf der letzten Etappe ihres Lebens. Die nachfolgenden Generationen – zwischenzeitlich sicherlich mehr als eine –  sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird. Deshalb müssen wir uns alle dafür einsetzen, die Erinnerung an das Unrecht der Vertreibung wachzuhalten.

Wir gedenken deshalb heute im Stillen all unseren Landsleuten – unseren Eltern, Großeltern und Urgroßeltern – die Opfer der Vertreibung wurden, und appellieren an alle: ehren wir die Freiheit, arbeiten wir für den Frieden, halten wir uns an das Recht!

Joschi Ament

Vorsitzender des Kulturkreises Elek

TrachtTag 2021 in Elek

Das Ungarndeutsche Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek
verkündet zum siebten Mal den TrachtTag,
den Tag der ungarndeutschen Tracht!
Ziehen wir an einem Wochentag einen Teil unserer ungarndeutschen Tracht an, und
machen wir einen durchschnittlichen Freitag zum Feiertag! Erinnern wir uns an unsere
Ahnen und zeigen wir unser Erbe im Alltag! Darum geht es beim TrachtTag, bereits zum
siebten Mal. Der Initiative vom Zentrum kannst du dich selber anschließen, oder tue das
gemeinsam mit deiner Familie, Gruppe, Schule, deinem Kindergarten bzw. deinen
Freunden. (Bitte halte immer die geltenden gesundheitlichen Schutzmaßnahmen vor
Augen!)

Du hast auch diesmal nichts anderes zu tun, als ein Kleidungsstück oder ein Accessoire
deiner Volkstracht auszuwählen, und diesen Teil mit deiner Alltagskleidung zu kombinieren
bzw. ihn einen Tag lang oder zu einer Tageszeit zu tragen.
Mach Fotos oder Videos von dir in deiner Kleidung, schicke sie uns, damit wir sie
veröffentlichen können! Wir möchten Allen zeigen, dass die Teile der Vergangenheit ein
wichtiger Bestandteil unserer Gegenwart sind. Wir freuen uns auch auf deine Geschichten
über deine Tracht.
Lade dir das Logo, den Aufruf und das Hintergrundbild von hier herunter:
http://bit.ly/TrachtTag2021
An diese Adressen erwarten wir die Fotos und Videos,
und hier gibt es weitere Informationen über den TrachtTag:
Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek
info@zentrum.hu
facebook.com/zentrumhu
TrachtTag – Facebook-Event
http://www.zentrum.hu
http://www.trachttag.hu
Folge uns auch auf YouTube und auf Instagram!
Wir wünschen einen guten TrachtTag!

„Kulturkreis und Elek digital“

Informationsaustausch mit dem Eleker Bürgermeister

„In Zeiten, in denen die Corona-Pandemie persönliche Begegnungen weiterhin nicht zulässt, nutzen auch wir zwischenzeitlich die digitalen Medien zum Informations- und Gedankenaustausch“, so der Vorsitzende des Eleker Kulturkreises in Laudenbach.

So hatte Kulturkreis-Chef Joschi Ament den Eleker Bürgermeister György Szelezsán und den Vorsitzenden der Deutschen in Elek, László Wittmann, zu einer gemeinsamen virtuellen Konferenz eingeladen.

„In erster Linie geht es uns darum, auch in dieser schwierigen Phase der Pandemie, in der wir uns befinden, den gegenseitigen Kontakt weiter intensiv zu pflegen und zu halten“, berichtet Ament und führt weiter aus, „es gibt aber auch durchaus Themen, die zwar noch in weiter Ferne liegen, die wir dennoch heute schon ansprechen wollen.“ Gemeint sei damit das geplantes Weltfreundschaftstreffen im Sommer 2022.

Nachdem das große Treffen der Eleker im Sommer 2020 coronabedingt abgesagt werden musste, und auch ein neuer Termin im August 2021 nicht gehalten werden kann, konzentrieren sich deshalb schon heute die Pläne für eine Neuauflage der Festlichkeiten auf das erste Ausgustwochenende 2022.

Ament wies im Video-Chat darauf hin, dass man bereits 2022 an die Neubesiedlung von Elek vor 300 Jahren denken solle. Zwar gelte das Jahr 1724 in der Eleker Lokalhistorie als das Gründungsjahr der Gemeinde durch Siedler aus dem Raum Unterfanken und Umgebung, jedoch seien erste Siedlungsaktivitäten bereits ab 1722 in Gyula, Elek und Sanktmartin durch den damaligen Grundherren Baron Harruckern initiiert worden.

In Sanktmartin – einer Nachbargemeinde von Elek; heute auf rumänischer Seite der Grenze gelegen – plane man diesbezüglich die Eröffnung eines Dokumentationszentrums sowie verschiedene weitere Festlichkeiten. Der Vorsitzende der Gemeinschaft der Sanktmartiner in Deutschland, Bernhard Fackelmann, sei in diesem Zusammenhang auf den Kulturkreis-Vorsitzenden zugegangen, um auf mögliche grenzüberschreitende Aktivitäten hinzuweisen. Bürgermeister Szelezsán führte hierzu aus, dass man mit den Beteiligten im Austausch bleiben wolle.

Auch 2021 wird es kein Weltfreundschaftstreffen geben

Stadtrat von Elek beschließt erneute Absage

Bürgermeister Szelezsán am Ungarischen Nationalfeiertag im Sommer 2020

„Ich bedauere, Ihnen mitteilen zu müssen, dass der Stadtrat von Elek aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie in Ungarn und ganz Europa erneut beschlossen hat, das Weltfreundschaftstreffen zu verschieben. Der neue geplante Termin soll wieder traditionell das erste Wochenende im August 2022 sein“, so Eleks Bürgermeister György Szelezsán in einem Pressestatement.

Ausgangslage für diesen Schritt war die im März 2021 rasant gestiegene Zahl an COVID-19 infizierten Menschen in Ungarn, infolge dessen die ungarische Regierung einen weiteren 90-Tage-Lockdown für das ganze Land verkündet hatte.

„Es bleibt schwer zu beurteilen, wann unser Leben wieder in die alten, bekannten und sicheren Strukturen zurückkehren wird“, so Szelezsán weiter.

Aktuell vertrete man jedenfalls die Auffassung, dass die Organisation eines grenzüberschreitenden Weltfreundschaftstreffens im Sommer dieses Jahres noch nicht möglich sein werde. Es sei vielmehr wichtig, die Gesundheit der Menschen zu schützen und die weitere Ausbreitung der Epidemie zu verhindern, wie es aus dem Eleker Rathaus zu hören war.

Als neuen Termin nannte Bürgermeister Szelezsán das Wochenende vom 5. bis 7. August 2022.

Partnerschaftsausschuss Elek-Laudenbach arbeitet digital

Susanne Mauriello beim Interview mit Bürgermeister Köpfle

Nachdem der Partnerschaftsausschusses Elek-Laudenbach aufgrund der Corona-Pandemie mit eher ungünstigen Startbedingungen zu kämpfen hatte, hat sich die Vorsitzende Susanne Mauriello zwischenzeitlich daran gemacht, über ihre Heimatgemeinde Laudenbach sowie deren Vereine und Organisationen kurze Videosequenzen zu verfassen und diese in Richtung Elek zu schicken.

Ziel, so Mauriello, sei es einen Einblick in das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Bergstraßengemeinde zu geben und dies den Menschen in Elek näher zu bringen. „Aufgrund den Beschränkungen durch das Corona-Virus ist das alles andere als einfach“, so die Vorsitzende.

Zusammen mit Csaba Kristof, der ebenfalls in Laudenbach wohnt und für die ungarischen Übersetzungen zuständig ist, hat Susanne Mauriello die ersten Clips erstellt. Im ersten Kurzfilm, der kurz vor Weihnachten ausgestrahlt wurde, stellte Susanne Mauriello den Partnerschaftsausschuss Elek-Laudenbach vor und ging dabei auch auf die enge Zusammenarbeit mit dem Kulturkreis Elek ein.

In einem zweiten Clip berichtete sie über das Laudenbacher Rathauses. Bis 1972 sei im Gebäude die Laudenbacher Volksschule untergebracht gewesen, in der bis dahin auch die Laudenbacher Eleker zur Schule gegangen seien, wie Mauriello zu berichten wusste.

Aktuell interviewte sie den Laudenbacher Bürgermeister Benjamin Köpfle. Das zweisprachige Interview, das zwischenzeitlich über einen eigenen youtube-Kanal des Partnerschaftsausschuss zu sehen ist, sowie die geplanten weiteren Präsentationen sollen vor allem den interessierten Menschen in Elek, aber auch in Laudenbach, ein Einblick in das Leben der Gemeinde Laudenbach geben.

„Bleib zu Hause“

Aktuelle Corona-Lage in Elek

Auch vor Laudenbachs ungarischer Partnerstadt Elek machte das Virus bisher nicht Halt. Die knapp 5.000 Einwohner zählende Kleinstadt im Südosten Ungarns verzeichnete bis Mitte Februar 2021 insgesamt 118 Corona-Infizierte. Drei Eleker Bewohner sind sogar mit oder an den Folgen der COVID-19 Erkrankung verstorben.

Aktueller trauriger Höhepunkt war die Schließung des Kindergartens im Stadtteil Ujtelep bis einschließlich zum 1. März 2021. Dort war zuvor eine Erzieherin positiv auf das Virus getestet worden. Auch Bürgermeister György Szelezsán musste sich infolge der Kindergartenschließung einem Corona-Test unterziehen und sich bis zur Vorlage des negativen Testergebnis in häusliche Quarantäne begeben.

Ungarn erlebt nach einem deutlichen Rückgang der Corona-Neuinfizierten im Dezember 2020 und Januar 2021 seit Anfang Februar wieder einen kontinuierlichen Anstieg der an COVID-19 Erkrankten. Ende Februar 2021 lag der 7-Tages-Inzidenzwert landesweit bei 228.

(Quellen: Stadtverwaltung Elek und http://www.corona-in-zahlen.de)

„Niemand hat das Recht von uns zu verlangen, dass wir vergessen“

Vor 75 Jahren wurde die Vertreibung der Ungarndeutschen beschlossen

Was sich über Monate hinweg angekündigt hatte, wurde anlässlich der Sitzung der Ungarischen Übergangsregierung vom 22. Dezember 1945 in Debrecen beschlossen und mit der Regierungsverordnung Nr. 12.330/1945 M.E. vom 29. Dezember 1945 im ungarischen Staatsanzeiger unter Nr. 211 veröffentlicht. Die Rede ist von der Vertreibung der Ungarndeutschen.

Drei Wochen später – am 19. Januar 1946 – begann dann in der Budapest nächst gelegenen 10.000 Einwohner zählenden Gemeinde Budaörs offiziell das wohl einschneidendste Ereignis in der Geschichte der Ungarndeutschen.

Die Ereignisse in Budaörs verdienen in jeder Beziehung die Bezeichnung „Vertreibung“, denn die zuerst ins Auge gefassten Familien wurden in einer Nacht- und Nebelaktion durch Klopfen und Poltern der Polizei an den Fenstern und Türen buchstäblich aus ihren Betten geholt.

Mit dem Allernötigsten in Bündeln wurden sie dann zum Gemeindehaus gejagt und von dort bei Tagesanbruch zum Bahnhof getrieben und in die bereitstehenden Viehwaggons gepfercht. Noch am gleichen Tag rollte der erste Transport in Richtung Westen ab.

In der Zeit vom 19. Januar 1946 bis Dezember 1946 wurden etwa 170.000 Ungarndeutsche nach Deutschland in die amerikanische Besatzungszone vertrieben. Im Zeitraum vom August 1947 bis Juni 1948 sollten nochmals knapp 50.000 Ungarndeutsche folgen, die in die sowjetische Besatzungszone abgeschoben wurden.

Etwa 200.000 Ungarndeutsche, von denen etwa 60.000 für Jahre zur Zwangsarbeit nach Russland deportiert worden waren, blieben zurück in Ungarn.

Unsere Großgemeinde Elek war von der Vertreibung im April 1946 betroffen.

Laut Berichten umstellten Anfang April bewaffnete Posten das Dorf. Ohne Bescheinigung durfte keiner mehr die Gemeinde verlassen. Es herrschte ein großes Durcheinander im Dorf. Von den sonst arbeitsamen Menschen ging keiner der dringenden Frühjahrsarbeit nach.

Worüber schon seit Wochen gemunkelt wurde und was keiner recht glauben wollte, erwies sich als Tatsache. Es sollten die Eleker Deutschen vertrieben werden.

Haus und Hof, sämtliche beweglichen und unbeweglichen Güter wurden ersatzlos enteignet. Je Person durften 20 kg Lebensmittel und 80 kg Kleidung und Hausrat – keine Wertgegenstände – mitgenommen werden.

Vom 10. April bis 6. Mai 1946 wurden mit insgesamt sechs Transporten ca. 5.000 Eleker Männer, Frauen und Kinder außer Landes gebracht.

Nach der amtlichen ungarischen Volkszählung aus dem Jahre 1941 lebten in Elek 9.327 Personen, von denen sich 4.386 Personen (entspricht 47,0% der Gesamtbevölkerung) zur deutschen Nationalität und 5.714 Personen (entspricht 61,3% der Gesamtbevölkerung) zur deutschen Muttersprache bekannt hatten. Diese waren grundsätzlich nach § 1 der Verordnung vom 29. Dezember 1945 zur Vertreibung vorgesehen.

Diese statistische Grundlage von 1941 dürfte eine solide Basis für die Vertreibung aus Elek gewesen sein.

Die wohl brauchbarste Angabe über das tatsächliche Vertreibungsgeschehen in Elek stellt die Eintragung im Historia Domus der Eleker Pfarrei dar. Dort wird die Zahl der vertriebenen Eleker mit 4.761 Personen angegeben.

Dabei geben all diese Zahlen nur ein gefühlloses statistisches Bild der Tragödie wider. Sie sagen nichts über das Leid, die Verzweiflung, die Not der Unglücklichen, aus ihren Häusern gejagt, ihrer Habe beraubt und erniedrigt.

Die Entrechtung und Vertreibung traf diese Menschen bis an die Wurzel ihrer Existenz. Ihre Familien, ihre Gemeinden, ihre Siedlungsgebiete und ihre Organisationen wurden aufgelöst, ihr Vermögen geraubt, ihre Einrichtungen zerschlagen. Rechtlos und diskriminiert blickten die Eleker in eine ungewisse Zukunft.

Wer zählt die Tränen, wer misst den Kummer, wer vermag das Leid, den Gram und den Schmerz mit gebührenden Worten zu schildern, der die Herzen jener Frauen und Männern erfüllte, als sie sich von dem loslösen mussten, was sie sich Jahre, vielleicht Jahrzehnte lang durch viel Mühe und harte Arbeit erwirtschaftet hatten, und das nicht zuletzt deshalb ihre Heimat war.

Als Enkel nach Baden-Württemberg vertriebener Ungarndeutschen aus Elek weiß ich nur aus Erzählungen, wie mühevoll und entbehrungsreich der Neubeginn meiner Familie und meiner Landsleute in der Fremde, in einem zerstörten Deutschland war.

Umso wichtiger ist es für mich, dass wir die Erinnerung wachhalten und vor dem Vergessen bewahren – und auch künftig von unserem Schicksal erzählen werden.

Dass die Aussiedlung der Schwaben – so der beschönigende amtliche Sprachgebrauch – nicht – wie in Ungarn jahrzehntelang offiziell dargestellt – eine Folge der Beschlüsse der Potsdamer Konferenz war, belegen die heute zugänglichen Quellen in den ehemaligen Geheimarchiven.

Abgesehen davon: in Ziffer XII des geschlossenen Potsdamer Abkommens stand, dass „die Überführung der deutschen Bevölkerungselemente geordnet und human“ gehen soll.

Ich frage mich dabei: wie können eigentlich Haus und Hof, das Dorf, ja die Heimat, in humaner Weise weggenommen werden?

Gedenken an die Vertreibung am 19. Januar 2021 – Ministerpräsident Viktor Orbán und Imre Ritter, Parlamentsabgeordneter der Ungarndeutschen

Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering, damals Präsident des Europäischen Parlaments, zitierte anlässlich seiner Rede zum Tag der Heimat 2007 in Berlin den Brückenbauer und Erzbischof von Oppeln Alfons Nossol, der einmal sagte: „Niemand hat das Recht von uns zu verlangen, dass wir vergessen. Der Wille zu vergeben und der Wille zu vergessen, sind nicht das Gleiche.“ Erinnerung, Vergebung und Versöhnung gehören zusammen.

Und Frau Dr. Katalin Szili, damalige ungarische Parlamentspräsidentin, sprach anlässlich der Gedenkkonferenz zum 60. Jahrestag der Vertreibung im Ungarischen Parlament: „Deshalb können die Wunden erst geheilt werden, wenn die Schrecken ausgesprochen, die Verantwortlichen namhaft gemacht, und die Opfer um Verzeihung gebeten werden.“

Der 75. Jahrestag der Vertreibung gibt uns einen besonderen Anlass, an diese schändlichen Ereignisse zu erinnern, die unseren Eltern und Großeltern widerfahren sind.

Der 75. Jahrestag gibt uns aber auch die Möglichkeit, uns für Verständigung, gegenseitige Akzeptanz und Toleranz der Menschen untereinander einzusetzen – über Grenzen hinweg, in einem vereinten Europa – vom Kleinen bis zum Großen – damit unseren Kindern und Enkelkindern das Leid der Vertreibung erspart bleibt.

Joschi Ament

Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn

Vorsitzender des Kulturkreises Elek in Laudenbach

Gedenken der Verschleppung und Vertreibung der Eleker Deutschen

Landesgedenkstätte in Elek

Aus der Großgemeinde Elek, die in den 1940er Jahren mehr als 9.000 Einwohner zählte, wurden im Januar 1945 nahezu 1.000 deutschstämmige Männer und Frauen im besten Alter zur Zwangsarbeit nach Russland verschleppt. Mehr als 100 kamen nie wieder nach Hause. Sie verstarben weit fern der Heimat in der Deportation.

Später, im Frühjahr 1946, wurden wiederum beinahe 5.000 deutschstämmige Männer, Frauen und Kinder aus ihrem Haus, aus ihrer Heimat nach Deutschland vertrieben.

v.l.n.r.: Monika Mittag (Leiterin des Regionalbüros der LdU im Komitat Békés), Roland Mittag, György Szelezsán (Bürgermeister von Elek), László Wittmann (Vorsitzender der Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung in Elek)

Der 19. Januar wurde vom ungarischen Parlament im Jahre 2012 zum Gedenktag der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen erklärt.

Dieser Ereignisse gedachten die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Elek auch dieses Jahr, wegen der Pandemie aber etwas anders.

Am Sonntag, den 17. Januar hatten die Eleker Deutschen, die Stadt Elek und weitere lokale Organisationen im engen Kreis Kränze am Eleker Vertreibungsdenkmal niedergelegt. Nach den Kranzniederlegungen zelebrierte Pfarrer Fazakas Gusztáv einen Gedenkgottesdienst in der römisch-katholischen Kirche Maria Heimsuchung.

Online hielten Bürgermeister Szelezsán sowie der Vorsitzende der deutschen Nationalitätenselbstverwaltung Wittmann László eine Gedenkansprache und Frau Kocsis Józsefné, Mitglied des Vereins der Deutschen in Elek, trug ein Gedicht von Hunyadvári József mit dem Titel „Gedenken wir…“ vor.

Kranzniederlegung durch die Vertreter der Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung

Advent in Elek

Adventsfeier in Elek

Es ist zur Tradition geworden, dass die Adventszeit in Elek im Zeichen der vier hier lebenden nationalen Minderheiten steht. In enger Kooperation mit der Stadtverwaltung und den Kirchen gestaltet jede Nationalitätenselbstverwaltung je einen Adventssonntag. Dabei wird immer ein kleines Festprogramm veranstaltet und unter den Anwesenden Glühwein, heißer Tee, Kuchen oder „szaloncukor“ verteilt. Zum Höhepunkt wird die Adventskerze entzündet.

Am dritten Adventssonntag waren auch in diesem Jahr die Eleker Deutschen an der Reihe. Wegen der Pandemie konnten aber auch dieses Programm nicht wie gewohnt veranstaltet werden.

Und dennoch: die Mitarbeiter der Stadt Elek hatten das Zentrum der Stadt um die Kirche und das Rathaus herum wundervoll geschmückt, der schöne Adventskranz wurde zwischen dem Rathaus und der Kirche aufgestellt.

Im kleinen Kreis – in Anwesenheit von Bürgermeister Szelezsán, von Pfarrer Fazakas sowie den Mitgliedern der deutschen Nationalitätenselbstverwaltung (Walthier Dorottya, Singer Ferenc sowie Wittmann László) – wurde die dritte Adventskerze angezündet. Zuvor hatten Bürgermeister Szelezsán, Pfarrer Fazakas sowie der Vorsitzende der deutschen Nationalitätenselbstverwaltung Wittmann László über Videobotschaften die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Elek begrüßt und auf die Bedeutung der Adventszeit hingewiesen. So konnte der Wunsch auf eine besinnliche Weihnachtszeit in diesem Jahr lediglich virtuell übermittelt werden.