Verbindungen zwischen den Elekern und Laudenbach

Etwa 5.000 heimatvertriebene Eleker wurden im April und Mai 1946 auf insgesamt sechs Vertreibungstransporten verteilt, außer Landes gebracht und in Deutschland auf Städte und Gemeinden in den Kreisen Ulm, Würzburg, Ludwigsburg und im Gebiet des heutigen Rhein-Neckar-Kreises verteilt.

Landesgedenkstätte zur Erinnerung der Vertreibung der Deutschen aus Ungarn in Elek

Laudenbach war zu dieser Zeit selbst noch von den Amerikanern besetzt, die bis in den Winter 1945/46 hinein im Ort einquartiert waren. Bereits während dieser Zeit kamen die ersten durch das Kriegs- und Vertreibungsschicksal Entwurzelten, die Flüchtlinge aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien, und im Frühjahr 1946 die ersten Transporte mit Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland und schließlich aus Ungarn.

„Zusammenrücken!“ hieß die Losung und noch einmal „Zusammenrücken!“. Eine schwere, undankbare Aufgabe für den damaligen Bürgermeister und die Wohnungskommission.

Etwa 1.000 vertriebene Eleker wurden Anfang Mai 1946 über das Flüchtlingslager in Hockenheim im Wesentlichen auf die Gemeinden Laudenbach, Hemsbach, Sulzbach, Lützelsachsen, Großsachsen, Schriesheim, Schwetzingen, Ladenburg, Oberflockenbach und Hockenheim selbst verteilt.

Die Eleker-Straße in Laudenbach

In Laudenbach trafen die Eleker meist in Transporten mit 50 oder mehr Personen mit ihren Habseligkeiten auf dem Schulhof ein. Von dort aus wurden sie jeweils bei einheimischen Familien zwangseingewiesen.

Mit rund 280 Personen stellten die Ungarndeutschen in Laudenbach die größte Gruppe der Heimatvertriebenen. Dabei stammten die meisten der angekommenen Ungarndeutschen aus Elek. Die Budaörser stellten den kleineren Teil.

1950, als diese Art des Zuzugs größtenteils abgeschlossen war, zählte die Gemeinde Laudenbach rund 650 Neubürger, die in den vorhandenen Wohngebäuden untergebracht werden mussten.

Der Laudenbach-Platz in Elek, 2014

Im Ganzen wurden es über 700 neue Gemeindemitglieder.

Die gleiche Sprache, der Fleiß und unerschütterlicher Wille, das zerstörte Land gemeinsam wieder aufzubauen, haben Einheimische und Vertriebene – nach anfänglichem Misstrauen – schnell einander näher gebracht.

So entwickelten sich in Laudenbach unter anderem bereits in den 1950er Jahren starke Bauaktivitäten der Eleker. Während dieser Phase entstanden in der heutigen Herdichsgartenstraße zahlreiche neue Häuser ehemaliger Eleker. Sogar eine Eleker-Straße – im nördlichen Gebiet der Gemeinde – erinnert bis heute an die damalige Zeit.

Damit einhergehend integrierten sich die Eleker in Laudenbach sehr schnell ohne dabei zu vergessen, dass sie ihre Herzensheimat in Ungarn haben.

Die Ehrenurkunde

 

Obwohl sich die Kinder und Enkelkinder der einstigen vertriebenen Elterngeneration schon lange nicht mehr von den Einheimischen unterscheiden, im wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben der Region völlig integriert sind, waren es gerade solche, die sich um die freundschaftlichen Kontakte zwischen Laudenbach und Elek bemühten.

Freundschaftliche Verbindungen zwischen den Bürgermeistern beider Ortschaften entstanden zu Beginn der 1990er Jahre auf Initiative des in Elek geborenen und als Jugendlicher aus Elek vertriebenen Laudenbacher Bürgers Josef Post (1929-2017).

Im Verlauf der folgenden 20 Jahre hatten diese freundschaftlichen Kontakte einen durchaus offiziellen Charakter erhalten.

Der Laudenbach-Frosch vor dem Rathaus in Elek (April 2019)

Der Kulturkreis Elek in Laudenbach, der sich 2005 aus einer Reihe von Laudenbachern mit Eleker Wurzeln formiert hatte, unterstützt seit Anfang an die Kontakte und Verbindungen der Menschen beider Ortschaften.

Auf Initiative des Kulturkreises erhielt der Platz hinter dem Eleker Rathaus im Sommer 2014 als sichtbares Zeichen der historischen Verbundenheit beider Ortschaften den Namen „Laudenbach-Platz“.

Im Jahre 2016 ehrte die Stadt Elek darüber hinaus die Gemeinde Laudenbach mit der höchsten Auszeichnung der Stadt, der „Für Elek“-Verdienstmedaille, die einer Ehrenbürgerschaft gleichsteht.

Im Sommer 2018 folgte ein weiterer historischer Meilenstein in den Bemühungen des Kulturkreises Elek für Völkerverständigung zwischen den Menschen beider Kommunen.

Ehrengast in Elek anlässlich der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages war Baden-Württembergs Minister für Justiz und Europaangelegenheiten, Herr Guido Wolf

Mit der Unterzeichnung offizieller Partnerschaftsverträge zwischen Laudenbach und Elek am 4. August 2018 in Elek und am 31. August 2018 konnte damit die Verbundenheit beider Gemeinden auf ein weiteres festes Fundament gestellt werden.

Dies gibt zu Beginn des 21. Jahrhunderts Hoffnung, Mut und Zuversicht zugleich, dass sowohl die Geschichte der Eleker in Deutschland als auch die Verbindungen zwischen den Menschen in Laudenbach und Elek lebendig bleiben.